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das orthodoxe Kreuz

Wer schon einmal eine orthodoxe Kirche gesehen hat, dem ist sicher aufgefallen, dass das orthodoxe Kreuz auf den Kuppeln ein wenig anders aussieht, als man das in Europa kennt. Traditionell hat das orthodoxe Kreuz nämlich nicht nur einen Querbalken, sondern drei:

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(Kirche in Ufa)

Wenn man sich nun einmal eine typische Darstellung der Kreuzigung Christi auf einer orthodoxen Ikone anschaut, sieht man auch, was es mit den Querbalken auf sich hat:

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Der große Querbalken ist der, an den Christi Hände festgenagelt wurden – soweit ist alles bekannt. Der ober kleine Querbalken stellt das Schild dar, auf den Pilatus den Urteilsspruch „INRI“ (Jesus von Nazareth, König der Juden) schreiben ließ, und der untere, etwas schief hängende Querbalken ist die Fußstütze, an der Christi Füße befestigt waren. Ob die Kreuzigung nun tatsächlich so und nicht anders aussah, sei einmal dahingestellt, jedenfalls wird sie in der orthodoxen Kirche so dargestellt.

Einige Kirchen haben statt des unteren schrägen Querbalkens so etwas wie einen nach oben offenen Halbkreis in ihrem Kreuz – und wer darin eine Parallele zur islamischen Mondsichel sieht, liegt damit ganz richtig:

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(Kirche in Moskau, ulitsa Warwarka)

Soweit ich weiß, tauchte diese Form des Kreuzes auf orthodoxen Kirchen nach der Befreiung von der mongolisch-tatarischen Zwangsherrschaft auf, die seit ca. 1240 auf Russland lastete und nach der Schlacht vom Kulikovo-Feld 1380 nach und nach zurückgedrängt wurde. Da die „Goldene Horde„, wie sich die Tataren nannten, größtenteils dem Islam angehörte, war der Sieg über die Eroberer gleichzeitig ein Sieg über die fremde Religion, was durch das auf dem islamischen Mond stehende Kreuz symbolisiert wurde. Es gibt jedoch bis heute Gebiete in Russland, die vorwiegend islamisch geprägt sind (Tatarstan, Baschkirien, Nordkaukasus).

Die Gebete der Gebetsregeln haben verschiedene Verfasser, zumeist sind das frühe Kirchenväter. Einer der bekanntesten unter ihnen ist Johannes Chrysostomos (der Beiname heißt übersetzt „Goldmund“, weil Johannes ein außerordentlich begabter Redner und Prediger war), der auch die Texte der am häufigsten gefeierten Liturgie zusammengestellt hat. 
Das 7. Gebet in den Abendgebeten ist das sogenannte 24-Stunden-Gebet, das 24 kurze Gebete, je eins für jede Stunde des Tages, enthält:

1. Herr, entziehe mir nicht Deine himmlichen Güter.
2. Herr, erlöse mich von den ewigen Qualen.
3. Herr, wenn ich gesündigt habe in Sinnen oder Gedanken, durch Wort oder Tat – vergib mir.
4. Herr, befreie mich von aller Unkenntnis und Vergesslichkeit, von Kleinmut, von steinerner Gefühllosigkeit.
5. Herr, erlöse mich von jeglicher Versuchung.
6. Herr, erleuchte mein Herz, um böse Gelüste zu verdüstern.
7. Herr, ich als Mensch bin sündig; Du jedoch als großzügiger Gott erbarme dich über mich, der Du die Schwachheit meiner Seele siehst.
8. Herr, sende Deine Gnade mir zur Hilfe, auf dass ich Deinen heiligen Namen preise.
9. Herr Jesus Christus, schreib mich, Deinen Knecht, in das Buch des Lebens und schenk mir ein gutes Ende.
10. Herr, mein Gott, wenn ich auch nichts Gutes vor Dir getan habe, so lass mich doch aus Deiner Gnade einen guten Anfang machen.
11. Herr, benetze mein Herz mit dem Tau Deiner Gnade.
12. Herr des Himmels und der Erde, gedenke meiner, Deines sündigen, beschämten und unreinen Knechtes, in Deinen Reich. Amen.

1. Herr, nimm mich in Buße an.
2. Herr, verlass mich nicht.
3. Herr, führe mich nicht ins Unglück.
4. Herr, gib mir Gedanken zum Guten.
5. Herr, gib mir Tränen und Gedenken dessen, dass ich sterblich bin, und Ergriffenheit.
6. Herr, gib mir die Bereitschaft zum Bekenntnis meiner Sünden.
7. Herr, gib mir Demut, Keuschheit und Gehorsam.
8. Herr, gib mir Geduld, Großmut und Sanftmut.
9. Herr, lass in mir eine gute Wurzel wachsen und pflanze Deine Furcht in mein Herz.
10. Herr, lass mich würdig sein, Dich von ganzer Seele und ganzem Sinn zu lieben und in allem Deinen Willen zu tun.
11. Herr, beschütze mich vor einigen Menschen, vor Dämonen, vor Leidenschaften und allen anderen ungehörigen Dingen.
12. Herr, Du wirkst, wie Du es willst, Dein Wille geschehe auch an mir Sünder, gelobt seist Du für alle Zeit. Amen.

Gebetsregeln

Orthodoxe Christen haben neben den Gottesdiensten auch sogenannte persönliche Gebetsregeln. Das sind keine Vorschriften, wie man zu beten hat, sondern so werden zusammengefasst die Gebete bezeichnet, die ein Christ am Tag betet. Üblicherweise bestehen die Gebetsregeln aus einer bestimmten Reihe von Morgen- und Abendgebeten, die im orthodoxen Gebetbuch zusammengefasst sind und jeweils ca. eine halbe Stunde in Anspruch nehmen. Ein paar davon werde ich mit der Zeit hier übersetzen. Manche Christen nutzen aus Zeitgründen auch die kurze Gebetsregel des Heiligen Serafim von Sarov, während Priester und besonders Mönche in der Regel viel umfangreichere Gebetsregeln haben. Zusätzlich zu den Morgen- und Abendgebeten gibt es Gebete für allerlei diverse Anlässe und Anliegen, die oft an bestimmte Heilige gerichtet werden. Natürlich ist der orthodoxe Christ auch dazu angehalten, frei und mit eigenen Worten sein Gebet an Gott zu richten. Viele tun sich damit jedoch schwer und ziehen deshalb die vorformulierten Gebete von Kirchenvätern, Geistlichen und Heiligen vor.

Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass es für mich am Anfang komisch war und manchmal immer noch ist, fremde Gebete zu sprechen, noch dazu weil diese nicht in modernem Russisch, sondern in kirchenslawischer Sprache gehalten sind und ich deshalb bei manchen Gebeten Schwierigkeiten habe, ganz genau den Wortlaut zu erfassen. Ich bete außerdem auch nicht alle Gebete, weil sich meine protestantische Hälfte innerlich dagegen sträubt, zu Maria oder diversen Heiligen zu beten, auch wenn ich große Hochachtung vor ihnen habe. Ich empfinde sie aber mittlerweile durchaus als hilfreich, wenn es darum geht, überhaupt einen Anfang zu finden oder mich auf Gott zu konzentrieren.

Einige dieser Gebete drücken auch sehr gut aus, was ich manchmal selbst empfinde und schlecht in Worte fassen kann. Insofern sind sie für mich wie Psalmen, die ja auch von David und anderen verfasst wurden und die wir als Gebetsvorlage hernehmen. Außerdem habe ich festgestellt, dass solche Gebetsregeln helfen, sich selbst zu Disziplin beim Beten zu erziehen – man hat seine Regel, an die man sich hält, auch wenn man eigentlich keine große Lust zum Beten hat. Dabei muss man zwar aufpassen, dass man die Gebete nicht nur automatisch runterleiert, aber immerhin schläft das Gespräch mit Gott nicht gänzlich für Tage und Wochen ein, weil man – so geht es mir zumindest - doch immer irgendwo in einem der Gebete auf einen Satz stößt, an dem man hängenbleibt und der Anlass zum Nachdenken und Weiterbeten mit eigenen Worten gibt.

Unser geistlicher Mentor, Vater Aleksij, hat den Sinn von Gebetsregeln mal sehr schön auf den Punkt gebracht. Er sagte:

„Diese Regeln sind vor allem in Zeiten wichtig, wo das Herz kalt ist. Eigentlich hat man keine große Lust mit Gott zu sprechen. Und dann betet man trotzdem anhand der Gebetsregeln – nicht aus Liebe zu Gott, die man gerade in dem Moment nicht empfindet, aber aus Überzeugung, weil die Worte, die man da spricht, wahr sind. Wenn dagegen das Herz für Gott brennt, braucht man keine Regeln, dann fließen Herz und Mund von allein über.“

Petrov post

petr-i-pavel.jpgHeute beginnt die Petrov post oder Apostolskij post genannte Fastenzeit zu Ehren der Apostel Petrus und Paulus. Sie beginnt immer in der zweiten Woche nach Pfingsten, nach dem Sonntag “Aller Heiligen“, und da Pfingsten – wie auch Ostern – ein Feiertag mit beweglichem Datum ist, fällt die Fastenzeit mal länger und mal kürzer aus. Die längste dauert sechs Wochen, die kürzeste acht Tage. Sie endet immer am 12. Juli, dem Feiertag der beiden obersten Apostel. Diese Fastenzeit erinnert daran, dass sich die Apostel durch anhaltendes Gebet und Fasten darauf vorbereitet haben, in die Welt hinauszuziehen und den Völkern das Evangelium, die gute Nachricht von Jesus Christus, zu bringen.

Ikonen

Da in den letzteren Tag einige Besucher dieser Seite nach Infos zu uns Bildern von Ikonen suchten, werde ich – was ich sowieso vorhatte – immer mal wieder einzelne Ikonen vorstellen und nach und nach auch ein wenig dazu schreiben, was es mit ihnen so auf sich hat und welche Rolle sie in der russisch-orthodoxen Kirche spielen, obwohl es dazu auch schon einen recht ausführlichen Artikel gibt. Für den Anfang hier ein paar Links zu Seiten, auf denen man viele russische Ikonen finden kann:

Christliche Kunst – Ikonen, Fresken, Mosaike. Ein russisches Projekt, die Galerie gibt es jedoch auch in englischer und deutscher Sprache. Ikonen sind nach Themen, Malschulen und Geographie geordnet.
Russian Icons – Index. Englischsprachiger Katalog einzelner Ikonen (ca. 70).
Moscow Icon-painting Center’s Fund. Galerie des Moskauer Zentrums für Ikonenmalerei in russischer und englischer Sprache, wo man übrigens auch handgemalte Ikonen bestellen kann.
Virtualnij katalog ikon. Russischsprachige Ikonensammlung mit vorrangig alten Darstellungen.
Ikonengalerie Rutz Düsseldorf. Die Firma Rutz handelt mit Ikonen, eine Auswahl ist auf ihrer Internetseite zu sehen.

soshestvie-sv-duxa.jpgDer Pfingstmontag wird in der orthodoxen Kirche mit Festgottesdiensten als Tag des Heiligen Geistes gefeiert. Dieser Feiertag wurde „wegen der Größe des Heiligen und Lebensspendenen Geistes, der eins mit der Heiligen und Lebensbegründenden Dreieinigkeit ist“  und gegen die häretische Lehre, die die Göttlichkeit des Heiligen Geistes und seine Einigkeit mit Gott dem Vater und dem Sohn ablehnte, eingeführt. Hier eine Predigt von Antonius von Sourozh: Weiterlesen »

kleine Korrektur

Ich habe kürzlich zwei Beiträge mit Verweisen auf Artikel zur russisch-orthodoxen Kirche veröffentlicht, die in einer deutschen Tageszeitung erschienen sind. Mittlerweile bin ich zu dem Schluss gekommen, dass sie hier nicht ganz reinpassen, weil ich ja nicht den Blickwinkel darstellen will, den andere „von draußen“ haben. Außerdem ist dies nicht der Ort, wo das, was andere über die Orthodoxie schreiben, Stück für Stück auseinandergenommen und stellenweise richtiggestellt werden soll, zumal ganz klar ist, dass die demokratische, aufgeklärte und liberale Presse oft ein schiefes Bild von der Bibel, vom Glauben und von Christen (und ganz besonders wahrscheinlich von der unbekannten Sorte aus der Ostkirche) hat. Insofern hab ich meine Beiträge wieder rausgenommen. Das nur zur Info.

Gestern fand in Moskau ein ganz wichtiges Ereignis statt, auf das die orthodoxe Welt seit langem gewartet hat: Die obersten Vertreter der Russisch-Orthodoxen Kirche und der Russisch-Orthodoxen Auslandskirche, Patriarch Alexij II. (auf dem Foto rechts) und Metropolit Lavr (Laurus) unterzeichneten den Akt über die kanonische Gemeinschaft, der die 80 Jahre lang gespaltene Russisch-Orthodoxe Kirche wieder vereint.

 Unterzeichnung

Dazu ein wenig Geschichte:
Nach der Oktoberrevolution von 1917 und der Machtergreifung durch die Bolschewiken in Russland emigrierten viele Gläubige und Geistliche der Russisch-Orthodoxen Kirche ins Ausland, um der Verfolgung durch die Kommunisten zu entgehen, und gründeten Gemeinden an ihren neuen Wohnorten. Diese bildeten nach und nach die sogenannte Russisch-Orthodoxe Auslandskirche mit eigener Verwaltung. 1927 sagte sich die Auslandskirche gänzlich von der Mutterkirche los, nachdem der Moskauer Patriarch Sergij seine Loyalität zur kommunistischen Regierung erklärt hatte, die die Auslandskirche nie als rechtmäßig anerkannt hatte. Die Spaltung war insofern keine Spaltung aufgrund von Glaubensdifferenzen, sondern sie hatte rein politische Gründe: Die Auslandskirche warf dem Moskauer Patriarchat Verrat am wahren Glauben und Anbiederung bei den Kommunisten vor, was das Moskauer Patriarchat seinerseits mit Vorwürfen beantwortete, die Auslandskirche bestehe aus Vaterlandsverrätern, die die Kirche in ihrer schwersten Stunde im Stich gelassen hätten.

Die Loyalitätserklärung von Patriarch Sergij, von der sich die Russisch-Orthodoxe Kirche im vergangenen Jahr offiziell distanzierte, war – wie ich es verstehe – der verzweifelte Versuch, die Kirche, ihre Gläubigen und Geistlichen vor Verfolgung und Zerstörung zu bewahren. Trotz dieser Erklärung wurden hunderttausende von Christen und Priestern von den Kommunisten ermordet oder jahrelang in Arbeitslager verbannt, aus denen viele nicht zurückkehrten. Kirchen wurden zerstört oder für weltliche Zwecke umgerüstet, Klöster wurden geschlossen und enteignet, wertvolle Kulturgüter wie Ikonen und Gottesdienstzubehör verschwanden.

Nach dem Zerfall des kommunistischen Regimes 1991 begann die Russisch-Orthodoxe Auslandskirche, in Russland aktiv zu werden und dort eigene Gemeinden und Verwaltungsorgane zu etablieren. Dieses Verhalten hat sie jedoch inzwischen selbst verurteilt und sich dem Moskauer Patriarchat unterstellt. Die Auslandskirche ist nun, nach der Unterzeichnung des Aktes, ein eigenständig verwalteter Teil der einigen Russisch-Orthodoxen Kirche, und die Abendmahlgemeinschaft zwischen den Kirchen ist wiederhergestellt.

Foto (c) AP Photo/Misha Japaridze
Hier noch ein paar Nachrichten zum Thema:
RIA-News
NTV

Frohe Ostern!

Xristos voskrese!

Xristos voskresje! (Der Herr ist auferstanden!)
Vo istinu voskresje! (Er ist wahrhaftig auferstanden!)

Während in den „westlichen“ Kirchen eher das Weihnachtsfest und Christi Geburt die zentrale Rolle spielt, ist Ostern und Christi Auferstehung das wichtigste Ereignis für die orthodoxen Christen. Die Ostergottesdienste sind die feierlichsten überhaupt (dazu später mehr), und auch in der Nachosterzeit wird immer und immer wieder der Ostergruß ausgesprochen und ein bestimmter Vers gesungen:

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Xristós voskrésje is mjértvix, smértiu smértj popráv,
i súshim vo grobéx zhivót darováv.

Christus erstand aus den Toten und hat durch Seinen Tod den Tod besiegt
und den in den Gräbern Weilenden das Leben geschenkt.

Der Sinn des Fastens

Das Gebot des Fastens ist das erste Gebot, das der Mensch nach seiner Erschaffung erhalten hat.
Adam hat gesündigt, als er die Frucht des verbotenen Baumes aß, und das schreckliche Verderben der Sünde durchdrang die ganze Menschheit. Seit diesem Zeitpunkt hat der Teufel Zugang zum Herzen des gefallenen Menschen bekommen. Seit diesem Zeitpunkt war die perfekte Schöpfung Gottes – Adam, der vorher weder Bosheit noch Trauer kannte – den Leidenschaften ausgesetzt, in denen bis heute wie im Teer der Hölle unsere Herzen brodeln, die die gesegnete Gemeinschaft mit Gott verloren haben.

Hat nicht deshalb der Herr Jesus Christus Selbst, als er zur Rettung der dem verderben geweihten Sünder in die Welt kam und Seinen Dienst auf der Erde begann, vierzig Tage und Nächte lang in der Wüste gefastet und uns durch Sein Beispiel an die Heilsamkeit und Unabdingbarkeit des Fastens erinnert? Hat Er uns nicht deshalb durch die dreifache Verwerfung feindlicher Angriffe ein Beispiel des geistlichen Kampfes gezeigt, der für jeden unausweichlich ist, der die gute Frucht der Enthaltsamkeit des Fastens mit innerem geistlichen Wachstum zu verbinden strebt?

Jedoch muss man, um unanstößlich den schmalen Weg des Heils zu beschreiten und den breiten Weg zu vermeiden, der nach den Worten des Heilands ins Verderben führt, klar verstehen, dass die Sünde nicht allein durch Enthaltsamkeit beim Essen und beim fleischlichen Leben besiegt wird, sondern durch Reinigung des Herzens und eifriges Streben nach makelloser Reinheit der Seele. Dieses heilige Streben, diesen segensreichen und heilsamen Eifer zu unterstützen – das ist der Hauptsinn des Fastens.

„Wende dich ab vom Bösen und tue Gutes“ (1. Brief des Petrus 3, 11), – vor allem diese Worte der Heiligen Schrift müssen wir während der Großen Fastenzeit im Gedächtnis haben.

Leider sind selbst unter kirchennahen Leuten heutzutage verirrte und unvernünftige anzutreffen, die den hohen geistlichen Sinn der Großen Fastenzeit nicht verstehen und für sich den einfachen Verzicht auf den Genuss verbotener Speise als ausreichend und erschöpfend ansehen.

Ach wir Unvernünftigen, und wehe uns Heuchlern!

Sinne nach, der du kein Fleisch isst, ob du nicht deinen Nächsten betrübt hast? ob du nicht gegen Gott gemurrt hast in den Leiden und Lasten der Seele? ob du nicht gegen jemanden Kränkung, Bosheit oder Neid hegst? ob du nicht auf deine vermeintlichen Stärken stolz bist? ob du dem Herrn für all das dankst, was dir gegeben ist? ob dein Herz nicht von vergänglichen weltlichen Sorgen gefangen ist?
Oder bist du, der du Fleisch von deinem Tisch verbannt hast, nachlässig gegenüber deiner eigenen Seele und zögerst, aus deinem Herzen Zorn und Heuchelei, Habsucht und Eigensinn, Hochmut und Stolz zu verbannen?

Streng ermahnt uns die Heilige Orthodoxe Kirche, dass uns körperliche Enthaltsamkeit nicht zum Nutzen ist, wenn wir sie nicht mit geistlicher Enthaltsamkeit – von Bösem, von Leidenschaften, von der uns quälenden Sünde – verbinden.
„Wenn du von Speisen fastest, meine Seele“, – so hören wir es in den Gebeten der Großen Fastenzeit, – „und von den Leidenschaften dich nicht reinigst, so freust du dich deines Fastens umsonst: denn wenn nach Besserung dein Streben nicht ist, wirst du als Lügnerin von Gott verworfen.“

Mitropolit Johannes (Snychev), Auszug aus „Vorbereitung und Durchleben der Großen Fastenzeit – Leben in einer modernen ungeistlichen Welt“ – vollständig (in russischer Sprache) hier

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