Orthodoxe Christen haben neben den Gottesdiensten auch sogenannte persönliche Gebetsregeln. Das sind keine Vorschriften, wie man zu beten hat, sondern so werden zusammengefasst die Gebete bezeichnet, die ein Christ am Tag betet. Üblicherweise bestehen die Gebetsregeln aus einer bestimmten Reihe von Morgen- und Abendgebeten, die im orthodoxen Gebetbuch zusammengefasst sind und jeweils ca. eine halbe Stunde in Anspruch nehmen. Ein paar davon werde ich mit der Zeit hier übersetzen. Manche Christen nutzen aus Zeitgründen auch die kurze Gebetsregel des Heiligen Serafim von Sarov, während Priester und besonders Mönche in der Regel viel umfangreichere Gebetsregeln haben. Zusätzlich zu den Morgen- und Abendgebeten gibt es Gebete für allerlei diverse Anlässe und Anliegen, die oft an bestimmte Heilige gerichtet werden. Natürlich ist der orthodoxe Christ auch dazu angehalten, frei und mit eigenen Worten sein Gebet an Gott zu richten. Viele tun sich damit jedoch schwer und ziehen deshalb die vorformulierten Gebete von Kirchenvätern, Geistlichen und Heiligen vor.
Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass es für mich am Anfang komisch war und manchmal immer noch ist, fremde Gebete zu sprechen, noch dazu weil diese nicht in modernem Russisch, sondern in kirchenslawischer Sprache gehalten sind und ich deshalb bei manchen Gebeten Schwierigkeiten habe, ganz genau den Wortlaut zu erfassen. Ich bete außerdem auch nicht alle Gebete, weil sich meine protestantische Hälfte innerlich dagegen sträubt, zu Maria oder diversen Heiligen zu beten, auch wenn ich große Hochachtung vor ihnen habe. Ich empfinde sie aber mittlerweile durchaus als hilfreich, wenn es darum geht, überhaupt einen Anfang zu finden oder mich auf Gott zu konzentrieren.
Einige dieser Gebete drücken auch sehr gut aus, was ich manchmal selbst empfinde und schlecht in Worte fassen kann. Insofern sind sie für mich wie Psalmen, die ja auch von David und anderen verfasst wurden und die wir als Gebetsvorlage hernehmen. Außerdem habe ich festgestellt, dass solche Gebetsregeln helfen, sich selbst zu Disziplin beim Beten zu erziehen – man hat seine Regel, an die man sich hält, auch wenn man eigentlich keine große Lust zum Beten hat. Dabei muss man zwar aufpassen, dass man die Gebete nicht nur automatisch runterleiert, aber immerhin schläft das Gespräch mit Gott nicht gänzlich für Tage und Wochen ein, weil man – so geht es mir zumindest - doch immer irgendwo in einem der Gebete auf einen Satz stößt, an dem man hängenbleibt und der Anlass zum Nachdenken und Weiterbeten mit eigenen Worten gibt.
Unser geistlicher Mentor, Vater Aleksij, hat den Sinn von Gebetsregeln mal sehr schön auf den Punkt gebracht. Er sagte:
„Diese Regeln sind vor allem in Zeiten wichtig, wo das Herz kalt ist. Eigentlich hat man keine große Lust mit Gott zu sprechen. Und dann betet man trotzdem anhand der Gebetsregeln – nicht aus Liebe zu Gott, die man gerade in dem Moment nicht empfindet, aber aus Überzeugung, weil die Worte, die man da spricht, wahr sind. Wenn dagegen das Herz für Gott brennt, braucht man keine Regeln, dann fließen Herz und Mund von allein über.“
Ich suche das Gebetregeln in Deutch. Konnen Sie mir helfen?
Liebe Marina,
hier sind einige orthodoxe Gebete in deutscher Sprache zu finden, aber nicht die ganzen Gebetsregeln: http://orthodoxes.forum-on.de/forum6.html
Das orthodoxe Gebetbuch in deutscher Sprache kann man hier bestellen: http://www.orthodoxie-versand.de/product_info.php?info=p62_Orthodoxes-Gebetbuch-in-deutscher-Sprache.html
Im Internet gibt es, soweit ich weiß, die Gebetsregeln nicht in deutsch.
[...] Juni 2008 von Manu Vor kurzem hat jemand nach den Gebetsregeln in deutscher Sprache gefragt. Ich habe lange gesucht und heute das orthodoxe Gebetbuch in deutscher [...]